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  • Oostvaardersdijk 01-09
    Museums-Werft

    8242 PA Lelystad
    Niederlande
  • Route berechnen
  • Telefonnummer +31 320 261409
  • Webseite des Geschäfts bataviawerf.nl
  • 5.0 Sterne
    4.11.2007
    Erster Beitrag

    Das Nieuw Land Centrum war die Pflicht  jetzt kommt die Kür. Schon allein deshalb lohnte die Fahrt nach Lelystad. Einmal ein uraltes Segelschiff von innen anschauen  ein echtes Erlebnis.

    Originalgetreu nachgebaut liegt es Kai. Über eine moderne Stahltreppenkonstruktion kann man es entern  und dann nichts als Geschichte. Die Batavia  gebaut als Flagschiff der VOC-Handelsgesellschaft für den Handel mit Batavia auf Java (heute Jakarta). Ende Oktober 1628 ging sie auf ihre erste Reise, und noch bevor sie ihr Ziel erreichte, sank sie am 04. Juni 1629 vor der australischen Westküste  in der Nähe der Insel Beacon Island (heutiger Name). Von den 341 Menschen an Bord ertranken 40 sofort. Der Rest rettete sich auf eine nahegelegene Insel, wo es aber an Trinkwasser fehlte. Also machte sich der Kapitän mit einem kleinen Boot und 48 weiteren Personen auf den umliegenden Inseln auf die Suche nach Wasser und Nahrung, wurde aber nicht fündig. Man beschloß, die Reise nach Java zu wagen und kehrte gar nicht erst auf die kleine Insel zurück. In einem später geschriebenen Rapport hieß es, dass Kapitän Francisco Pelsaert von seinen Mitreisenden  überwiegend hohe Offiziere  dazu gezwungen wurde. Nach zwei Monaten erst erreichten sie wieder die kleine Insel, um den Rest der Besatzung, Passagiere und Soldaten zu retten. Mittlerweile waren viele gestorben an Krankheiten, Wassermangel, Unfällen und nicht zu vergessen  ermordet von Jeronimus Corneliszoon, der als Meuterer in dieser Zeit etwa 120 Menschen, darunter Frauen und Kinder, umbrachte. Aufgrund dieser schrecklichen Metzeleien erhielt das Eiland später den Beinamen Batavias Friedhof. Natürlich gab es jetzt die gerechten Strafen für die Meuterer  Tod durch den Strang, Kielholen, Aussetzen und was dergleichen Seemannsstrafen so sind. Letztendlich kamen 68 Männer, 7 Frauen und 2 Kinder lebendig in Batavia an.

    38 Passagiere waren an Bord  reiche Kaufleute, ebenso arme Frauen und Kinder. Der Rest verteilte sich auf Besatzung und Soldaten. Frauen und Kinder waren an Bord, weil in dieser Periode die Gründung einer Kolonie auf Java erfolgen sollte, und die holländischen Männer keine einheimischen Frauen, sondern die mitgereisten Holländerinnen heiraten sollten.

    Und jetzt der Nachbau  mit viel Liebe zum Detail nach alten Bildern und archäologischen Schiffsfunden verwirklicht auf der Werft in Lelystad, genaue Baupläne kannte man damals nicht. 1985 auf Kiel gelegt und 1995 vollendet, liegt sie auf dem Museumsgelände Bataviawerf vor Anker. Einmal war sie auf großer Fahrt. Im Jahr 2000 ist sie während der Olympischen Spiele in Sydney vor Anker gegangen  Kronprinz Willem gab in der Kajüte des Schiffes einen Empfang. Kaum vorstellbar, wenn man das Schiff durchstreift. Die Kajüte, die den reichen Passagieren und hohen Offizieren für ihre Mahlzeiten auf leinengedeckten Tischen vorbehalten war, ist zwar einigermaßen groß, aber die Zugänge klein, eng und niedrig  ich bin eine Weile noch ganz gebückt gelaufen, als wir das Schiff wieder verlassen hatten. Interessantes Detail am Rande  die Toiletten für die hohen Herrschaften befanden sich in kleinen Kämmerchen direkt links und rechts an der Kajüte  wie praktisch.

    Einige kleinste Schlafräume mit kurzen Kojen gab es, der Rest der Besatzung, Soldaten und Passagiere musste sich auf den unteren Decks mit gezimmerten Kojen begnügen. Mehrere Decks kann man auf dem Schiff sehen, einige so niedrig, dass man nur geduckt laufen kann. Auf einem ist eine große Anzahl von Kanonen zur Verteidigung untergebracht. Interessant die winzige Küche mit ihrem offenen Feuer, gegenüberliegend eine Vorratskammer. Insgesamt kann man sich gut vorstellen, wie hart das Leben an Bord war  immerhin war man monatelang unterwegs, auf engstem Raum zusammengepfercht.

    Nomalerweise kann man das Schiff mit einem erfahrenen Führer durchstreifen, der sicher viel zu erzählen weiß. Da wir leider sehr spät dran waren, mussten wir das auf eigene Faust regeln. Aber wie beim Polder-Museum  in diesem Fall ist Nachbereitung mit Hilfe von Prospekten und Internet nötig, will man auch etwas davon haben.

    Gleich nach Fertigstellung der Batavia wurde das zweite Schiff auf Kiel gelegt - De 7 Provinzién  das Flagschiff des niederländischen Nationalhelden Admiral Michiel de Ruyter für fast 30 Jahre. Anders als die Batavia wird das Schiff komplett in einer historischen, heute nicht mehr praktizierten Bauweise errichtet. Außerdem wird auf Nägel, und metallene Bolzen verzichtet  der gesamte Rumpf ist verzapft. Wie schwierig das heute ist, kann man daran sehen, dass das Original-Schiff 1665 neben 60 weiteren Schiffen in 3 Jahren gebaut wurde  ein Ende der Bauarbeiten für den Nachbau ist noch nicht so recht abzusehen. Einige Jahre werden wohl noch ins Land gehen.

    Allerdings wird auch nicht ständig daran gebaut. Viele Jugendliche ohne Chancen erhalten hier die Möglichkeit, eines der alten Handwerke zu lernen, und doch noch integriert zu werden in die Welt der Arbeit  vielleicht auch in

    • Qype User kalle_…
    • Eutin, Schleswig-Holstein
    • 9 Freunde
    • 23 Beiträge
    5.0 Sterne
    14.2.2009

    sehr gut geschrieben.
    Ich kenne die Batavia als das ganze vorhaben noch am Anfang stand. Jedes Jahr konnte man sehen wie sie gebaut wurde. Ich möchte mal an dieser Stelle den vielen Helfern (Arbeitslose) die beim Bau mitgewirkt haben danken. Wenn alle Arbeitslose solche Möglichkeit hätten ihren eigenen Arbeitsplatz zu bauen, das währe eine wucht.

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