• “Der Lichtbringer in der Böttcherstraße ist ein Kunstwerk des bekannten Bildhauers Bernhard Hoetger (1874-1949).” in 4 Beiträgen

  • Bernhard Hoetger (* 4. Mai 1874 in Hörde; 18. Juli 1949 in Interlaken) war ein deutscher Bildhauer, Maler und Kunsthandwerker des Expressionismus.” in 3 Beiträgen

  • “Interessant finde ich nur noch daran, dass ganz viele Bremer sagen, dass es Siegfried im Kampf mit einem Drachen darstellt.” in 3 Beiträgen

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    • Qype User Kathar…
    • Bremen
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    5.0 Sterne
    14.6.2010

    Als Stadtführerin komme ichmehrmals täglich an diesem Relief vorbei und bin immer wieder fasziniert von den Reaktionen auf das strahlende Stück Gold über dem Eingang der Böttcherstraße.
    Vom Marktplatz aus weist es den Weg und lockt auch Besucher, die die Böttcherstraße noch nicht auf dem Plan hatten. Viele halten unter dem Relief inne, legen den Kopf in den Nacken und fotografieren - ohne zu wissen, was für ein umstrittenes Objekt sie da gerade ablichten. Denn wie an dieser Stelle schon einmal angedeutet, ist es mit der Bedeutung dieses Reliefs so eine Sache: Es trägt den Titel 'Der Lichtbringer' und wurde 1936 von Bernhard Hoetger gestaltet. Es zeigt eigentlich den Erzengel Michael im Kampf gegen den Höllendrachen - doch es zeigt noch etwas anderes!
    Bernhard Hoetger fertigte das Relief, um die Böttcherstraße vor dem Abriss durch die Nationalsozialisten und widmete es keinem geringeren als Adolf Hitler, der eine neue Zeit bringen und über das Alte siegen sollte.
    Die Nationalsozialisten wollten die Straße abbrechen, da sie mit ihrem Expressionismus- Kaffeewerbung-Germanenkult-Mix so gar nicht in ihr Konzept passte, Bernhard Hoetger wurde (obwohl selbst NSDAP-Mitglied) als 'entarteter Künstler' eingestuft und man sprach sich öffentlich gegen die sogenannte Böttcherstraßenkultur aus, obwohl Ludwig Rolius, der Erbauer und Finanzier des Ganzen auch Adolf Hitler in den Anfangsjahren finanziell unterstützt hatte. Dass die Böttcherstraße doch nicht abgerissen wurde, verdankt sie nicht dem Relief, sondern einem skurillen Umstand: Die Nazis selbst ließen vom eigentlichen Vorhaben ab, weil sie erkannten, dass es sich um so guten Expressionismus handelt, dass man die Straße wunderbar als Anti-Kunst nutzen konnte, in der man fortan die Unkultur erklären ließ - man zeigte hier wie es nicht sein durfte.
    Für mich ist diese Relief heute gerade aufgrund seiner strahlenden Schönheit eine gute Möglichkeit, die janusköpfige Gechichte der Böttcherstraße zu erläutern. Hier wird deutlich, dass man die damalige Zeit nicht schwarz-weiß malen kann, sondern es wie im Falle der Böttcherstraße die unglaublichsten Verstrickungen und Wandlungen gab.
    Vor allem aber ist es ein Symbol dafür, wie wir heute mit diesem problematischen Erbe umgehen sollten: Wir sollten uns nicht vom ersten Eindruck, vom Gold blenden lassen, sondern prüfen, was wir sehen. Es aber auch nicht verstecken oder abnehmen, im Gegenteil, es sollte Mahnmal sein und erinnern, weshalb die Erläuterung der Böttcherstraße unbedingt immer auch ihre 'Schattenseite' beinhalten sollte und nicht auf den Touristenmagnet als 'zauberhaften Ort' und die 'heimliche Hauptstraße Bremens' reduziert werden sollte.
    Einen Besuch ist es in jedem Falle wert, genauso wie das Gesamtkunstwerk Böttcherstraße selbst.

  • 4.0 Sterne
    6.6.2009
    Erster Beitrag

    Der Lichtbringer von Bernhard Hoetger (1936)

    In leuchtendem Gold strahlt am Eingang der Böttcherstraße Der Lichtbringer von Bernhard Hoetger, ein Fassadenrelief, auf dem der Erzengel Michael im Kampf mit dem Drachen zu sehen ist. Der vom Bremer Kaffeekaufmann Ludwig Roselius umgebaute Straßenzug, der sich vom Marktplatz zur Martinistraße erstreckt, wird auch gern das längste begehbare Kunstwerk Deutschlands genannt. Originale Backsteinarchitektur, Skulpturen, Plastiken und Reliefs machen die Böttcherstraße, in der einst Fassmacher lebten, zum Gesamtkunstwerk.

    Bernhard Hoetger (* 4. Mai 1874 in Hörde;  18. Juli 1949 in Interlaken) war ein deutscher Bildhauer, Maler und Kunsthandwerker des Expressionismus.
    Der Sohn eines Schmieds in Hörde absolvierte 18881892 eine Bildhauerlehre in Detmold und wurde Leiter der Kunsttischlerei von Franz Goldkuhle in Wiedenbrück. Sein Aufenthalt dort währte nur bis etwa 1896. Er bezeichnete diese Zeit wegen des dort herrschenden rauen Handwerker-Umgangstons als seine Fron- und Sklavenjahre. Auf ein Studium an der Kunstakademie Düsseldorf folgte ein Aufenthalt in Paris. Dort wurde er beeinflusst von den Werken Rodins, in dessen Werkstatt er die Bekanntschaft von Paula Modersohn-Becker machte. Später beschäftigte er sich auch mit den Werken Gaudís. 1911 wurde er in die Darmstädter Künstlerkolonie berufen.

    In Fischerhude bei Bremen unterhielt er 1914 drei Ateliers. Durch Paula Modersohn-Becker inspiriert, kam er nach Worpswede. Dort fand Bernhard Hoetger in der Bekanntschaft und wachsenden Freundschaft mit dem Bremer Kaufmann Ludwig Roselius die Aufgabe seines Lebens: die Neugestaltung der Bremer Böttcherstraße. Dabei betätigte er sich auch als autodidaktischer Architekt und schuf aus der Ostseite der kleinen Verbindungsgasse zwischen Markt und Weser 1930/31 ein expressionistisches Meisterstück  das Haus Atlantis.

    Hoetger sympathisierte wie sein Mäzen Ludwig Roselius mit dem Nationalsozialismus und wurde Parteimitglied. Er versuchte, die Partei für seine Kunst zu gewinnen, was aber nicht gelang, da diese die von ihm verfolgte völkisch-nordische Ideenwelt ablehnte. Daher galt sein Werk seit der entsprechenden Rede Hitlers auf dem Nürnberger Reichsparteitag 1936 als entartet. Hoetger wurde aus der Partei ausgeschlossen. Er war zunächst ab 1934 in Berlin tätig und wurde 1946 in der Schweiz ansässig, wo er 1949 starb.

    Das Relief ist beeindruckend schön, doch aufgrund der politischen Gesinnung seines Schöpfers auch kritisch zu sehen.

  • 4.0 Sterne
    3.6.2010

    ... Gold am Eingang der Böttcherstraße ...

    Lange Jahre habe ich in Bremen gewohnt und kenne die netten Sehenswürdigkeit, die alten Gassen und Gebäude und dennoch zaubert all dies immer wieder ein Lächeln auf mein Gesicht und ich kann nicht einfach dran vorbei laufen, sondern verharre einen Moment und freue mich daran.

    Am Eingang der Böttcherstraße befindet sich eine große goldene Reliefplatte, hoch genug damit nicht jeder da anfassen kann. Denke mal ansonsten würde sie nicht mehr so schön golden sein. Und genau deswegen weiß ich nicht, ob sie aus Stein oder Metall ist. Ich tippe aber mal auf Stein. Und wenn ich mich mal ein Jahrzehnt zurück erinnere, war diese Platte auch nicht immer mit Gold überzogen, sondern wurde neu mit Blattgold aufgelegt als so einiges an der Böttcherstraße restauriert wurde.

    Dieses Kunstwerk ist von Bernhard Hoetger, aber darüber hat Leuchtturmgisela (qype.com/people/leuchttu…) schon genug geschrieben. Interessant finde ich nur noch daran, dass ganz viele Bremer sagen, dass es Siegfried im Kampf mit einem Drachen darstellt. Kann ich auch nachvollziehen, da Hoetger ja ein großer Fan der völkisch-nordischen Ideenwelt war. Tatsächlich heißt das Kunstwerk Sieges unseres Führers über die Mächte der Finsternis". Gefällt mir ehrlich gesagt nicht, deshalb bleibe ich auch bei der charmanten Geschichte mit Siegfried dem Drachentöter und gehe mal davon aus, dass Hoetger genau das gemeint hat :).

    Wer in der Nähe der Böttcherstraße ist, sollte sich auf jeden Fall mal den Lichtbringer ansehen. Was auch immer Hoetger (der Künstler) damit ausdrücken wollte, für mich ist es Siegfried, der mit einem Drachen kämpft. Und mit dieser heroischen Vorstellung im Kopf freut mich dieses mit Blattgold zum Strahlen gebrachte Relief immer wieder.

  • 5.0 Sterne
    30.10.2011

    Einfach hingehen und staunen, wenn man vor Ort ist. Kein Bild kann den Eindruck, den man vor Ort- vor allem bei Sonneneinstrahlung  hat und einfach haben muss, so richtig wiedergeben. Auch bei meinem nächsten Bremen-Aufenthalt ist ein Abstecher zum Lichtbringer für mich ein Muss.

  • 4.0 Sterne
    19.8.2012

    Der Lichtbringer in der Böttcherstraße ist ein Kunstwerk des bekannten Bildhauers Bernhard Hoetger (1874-1949). Das goldene Wahrzeichen ist eine Hommage an Adolf Hitler, welches somit natürlich reichlich Diskussionsstoff bietet. Er hat so einige Kunstwerke dort. Hoetger war ein Anhänger Hitlersdieser jedoch wollte seine Kunst nicht und so begann Hoetger seine Kunst gezielter einzusetzten.
    Wir würden schwören, dass wirklich jeder dieses Fassadenrelief sieht, wenn er in die Böttcherstraße einbiegt! Aber kaum einer wird genauer hinschauen und diese Details erkennen. Wir haben es auch erst erkannt, als wir uns über dieses Kunstwerk erkundigt haben. Ein wichtiges Detail!
    Auf dem 44m großen Bronzerelief werden einige Figuren gezeigt, die ihre Arme zum Nazi-Gruß heben.
    (Siehe Foto unten) (Siehe Foto unten) Damals war natürlich die Frage: Soll es hängen bleiben oder muss es weg!?!?
    Dazu sagte der Chef des Gerhard-Marcks-Hauses und Hoetger-Experte:
    Der Lichtbringer ist ein wichtiges Kunstwerk, weil es uns zeigt,
    was sich in Bremen während der Nazi-Zeit abspielte.
    Die stellvertretende Kunsthallen-Direktorin Dorothee Hansen sagt:
    Wir dürfen dieses wichtige Kunstwerk nicht auslöschen.
    Es muss aber für weitere Diskussionen sorgen.
    Jens Böhrnsen (SPD):
    Ich begrüße die mutige Entscheidung, sich mit der Nähe Hoetgers
    zu den Nazis auseinanderzusetzen. Eine solche Betrachtung sollte
    Eingang in unsere Erinnerungskultur finden, und dazu wäre sicher
    eine Hinweistafel am Lichtbringer ein geeignetes Mittel.

    also hängt der Lichtbringer noch heute dort und erleuchtet den Eingang der Böttcherstraße durch seinen goldenen Schimmer! Was damals passiert ist sollte nicht einfach vergessen werden  geht auch gar nicht. Wir finden auch, dass es dort so wie es ist hängen bleiben kann! 4 Sterne!

    • Qype User thhu…
    • Schmalkalden, Thüringen
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    5.0 Sterne
    31.1.2012

    Beim Gang durch die Böttcherstrasse ist dieses Kunstwerk nicht zu übersehen. ANSCHAUEN!!!

    • Qype User DasFch…
    • Münster, Nordrhein-Westfalen
    • 1 Freund
    • 237 Beiträge
    5.0 Sterne
    10.8.2012

    Neben dem eindrucksvollen Kunstwerk ist auch die Geschichte ist sehr interessant: Ursprünglich sollte die Böttcherstraße in der NS-Zeit abgerissen werden. Als Überzeugungsarbeit wurde dieses Kunstwerk gefertig. Was genau es darstellt und wen genau es zeigt, ist unklar.

  • 4.0 Sterne
    13.8.2013

    Auch in der insgesamt sehr tollen Böttcherstr. zu finden. Man kann nur staunen!

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