Qype Logo Bei Yelp registrieren

Qype hat sich Yelp angeschlossen um dir noch mehr Beiträge, Community und Geschäfte zu bieten. Weitere Infos.

Empfohlene Beiträge

Dein Vertrauen ist unser Hauptanliegen, daher können Unternehmen nicht für Änderungen oder Löschungen von Beiträgen bezahlen. Mehr darüber
  • 5.0 Sterne
    16.12.2010

    Die Weltmaschine des oststeirischen Bauern Franz Gsellmann ist eine im Zeitraum von 1958 bis 1981 erbaute Kunst-Maschine, die in seinem ehemaligen Hof in Kaag (Gemeinde Edelsbach bei Feldbach) zu besichtigen ist.
    Der Ausdruck Weltmaschine ist ein Notname, da ein Zweck der Maschine nicht erkennbar ist, und auch Gsellmann selbst antwortete auf solche Fragen ausweichend. Man kann sie daher als künstlerische Installation bzw. Kinetische Kunst interpretieren.
    Die Teile seiner Maschine fand er meist auf Gebrauchtwarenmärkten oder Schrottplätzen. Er wurde oft von seinen Nachbarn gesichtet, wie er neue Funde mit der Scheibtruhe oder dem Ochsengespann heimführte. Dabei litt er sehr darunter, dass sein Lebenswerk zu Lebzeiten weder von der eigenen Familie noch von den Menschen der Region anerkannt wurde.

  • 5.0 Sterne
    9.1.2009
    Erster Beitrag

    Schwer zu sagen, was genau der Anblick des Brüsseler Atomiums in Franz Gsellmann ausgelöst hat. Es muss jedoch ein sehr starker Impuls gewesen sein. Noch in der Nacht seiner Rückkehr aus Brüssel schließt sich der österreichische Landwirt in einem Zimmer seines Hofes ein und beginnt damit, das Atomium in verkleinertem Maßstab nachzubauen. Das war 1958. Die folgenden 23 Jahre verbringt Gsellmann damit, eine riesige Maschine um seinen Atomium-Nachbau herum zu errichten. Er baut Hula-Hoop-Reifen ein, Autofelgen, einen Vogelkäftig, 200 Glühbirnen, 14 Glocken, einen Mercedesstern. Einen Föhn. 64 Vogelpfeifen, 53 Schalter, eine Windmühle nach niederländischem Vorbild, 26 Glasstöpsel, mehrere Marienstatuen. Einen Christbaumständer, 25 Motoren, die Lichtmaschine eines Armeepanzers. Eine Schiffsschraube, ein Metronom. Der Landwirt verbaut zehntausende von Einzelteilen zu einer flötenden, bimmelnden, blinkenden, summenden, kreischenden, ratternden, rotierenden Riesenapparatur. Wozu das alles gut sein soll  man weiß es nicht. Denn die Maschine produziert nichts  wenn man von Licht, Bewegung und Geräuschen absieht. Dass sich Gsellmann selbst nie über den Sinn seiner Maschine geäußert hat, macht die Sache nicht gerade einfacher. 1981 baut Gsellmann das letzte Element ein: ein großes rotierendes Fragezeichen. Dann geht er in die Küche, sagt seiner Frau, dass die Maschine nun fertig sei, legt sich in sein Bett und stirbt.

    Man kann die Weltmaschine besuchen, auf Gsellmanns Hof in Kaag, einem kleinen Weiler in der Oststeiermark, der verwaltungssystematisch der Gemeinde Edelsbach bei Feldbach zugeordnet ist, der jedoch Welten entfernt scheint von jeglicher Moderne, der sich ganz klein und verloren in die hügelige Landschaft duckt. In der Dorfwirtschaft (andere Quellen sprechen vom Friseur) hat Gsellmann an einem Tag im Herbst 1958 die Lokalzeitung gelesen  und ist an ein einer Abbildung des Atomiums hängengeblieben - jenes riesige Modell eines Eisenkristalls, das für den Aufbruch ins molekulare Zeitalter stand und das zum Wahrzeichen der Brüsseler Weltausstellung wurde.

    Noch am gleichen Tag bricht Gsellmann auf nach Brüssel. Es ist eine beschwerliche Reise, der nächste Bahnhof ist 14 Kilometer entfernt. Ich denke oft daran, wenn ich vor dem flirrenden Wunderwerk sitze und mich verzaubern lasse von dem Spiel der Farben, Bewegungen und Töne, wie sich dieser hutzelige Landwirt in seinem viel zu großen Anzug über matschige, unbefestigte Wege dieser schwarzweiß-Welt gequält hat. Wie er seine Fahrkarten in Etappen löst, weil er Angst davor hat, dass das Personal des kleinen Bahnhofs in Rohr an der Raab den Ort Brüssel nicht kennt. Ich denke daran, was wohl in ihm vorgegangen sein mag, als er nach einer dreitägigen Reise endlich vor dem Atomium stand. Was genau es war, was diesen damals 48-jährigen, scheuen, bescheidenen, fleißigen Landwirt dazu bewogen hat, fortan seinen Hof, seine Familie, seine Freunde zu vernachlässigen, um sich mit Haut und Haaren seiner Maschine zu widmen. Gsellmann kauft sich in Brüssel ein Miniatur-Atomium in einem Andenken-Laden und fährt sofort zurück nach Haag. Es ist die einzige Reise seines Lebens.

    Unmittelbar nach seiner Rückkehr beginnt Gsellmann, das Atomium nachzubauen. Dieses schätzungsweise 50 cm hohe Modell ist so etwas wie der Nukleus der Maschine. Um das Atomium herum montiert er zunächst bunte Hula-Hoop-Reifen, daneben stellt er eine gläserne Marienstatue, die bunt angeleuchtet wird. Es gibt keine Pläne, daher ist es sehr schwer, das Gewirr zu durchschauen, das Gsellman in der 23 Jahre währenden Bauzeit errichtet hat. Anfangs sammelt Gsellmann Schrott und Trödel, besucht die Krämermärkte und die Schrottplätze der Umgebung. Doch schnell merkt er, dass er mit Trouvaillen allein nicht weiter kommt. Er beginnt, beim Dorfschmied Johann Pregartner einzelne Teile für seine Maschine in Auftrag zu geben  Schienen, Verbindungsstücke, Winkel. Der Schmied ist auch der erste und einzige Mensch, den Gsellmann ins Vertrauen zieht. Denn seiner Familie verweigert der Bauer jede Auskunft; das Zimmer, in dem die Maschine entsteht, ist stets verschlossen, die Fenster verdunkelt. Die Familie zerbricht fast unter der Last, die Gsellmann ihr mit seiner fanatischen Leidenschaft für die Maschine aufbürdet: jeden erwirtschafteten Schilling steckt er in seine Konstruktion, er verweigert sich fast vollständig der Arbeit auf dem Hof, um an der Maschine weiterbauen zu können. Fragen nach Art und dem Sinn seines Tuns beantwortet er nicht. Er spricht überhaupt immer weniger.

    Stattdessen ist er ständig in seiner verschlossenen Kammer, schraubt, lötet, steckt, verdrahtet seine Fundstücke und Anschaffungen. Manches ist sehr teuer, wie etwa eine Spielzeugrakete, die er in einem Grazer Spielwarengeschäft bei einem speziellen Hersteller in Japan bestellen lässt: sie kostet 1000 Schilling. Die Arbeit geht rasch voran, denn Gsellmann ist geschickt beim Einbau all der Einzelteile, beim Einsetzen der Wellen und

  • 4.0 Sterne
    11.8.2010

    Tolle Sache ... ein Tüftler hat jahrelang verschiedenste Alltagsgegenstände zusammengebastelt. Diese Maschine macht alles und nichts. Eine - vielleicht unbeabsichtigte - wunderbare Satire auf die immer komplexer werdende Technik ... zwar noch mit den Mitteln von vor 50 Jahren, aber nicht minder aktuell.

Seite 1 von 1