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  • 5.0 Sterne
    23.4.2007 Aktualisierter Beitrag

    Um 1920 trennte sich das Paar Martha und Heinrich Vogeler. Martha zog mit den drei Töchtern aus dem berühmten Barkenhoff aus und erfüllte sich mit dem Bau des Hauses im Schluh ihren eigenen Lebenstraum. Ein altes, niedersächsisches Bauernhaus aus dem Nachbardorf wurde abgetragen und im Schluh wieder errichtet. Im gleichen Jahr ließ sie auch das kleine Nebenhaus erbauen, in dem eine Handweberei ihren Platz fand. Gemeinsam mit den Töchtern erarbeitete sich Martha Vogeler mit der Weberei (in der auch kunsthandwerklich anspruchsvolle Werke entstanden) und dem Betrieb einer Gästepension ihren Lebensunterhalt. In den 30er-Jahren kam dann noch ein altes Bauernhaus hinzu, hierher wurde nun die Weberei verlegt. Martha Vogeler erzeugte hier eine freie, offene und kreative Stimmung, die zahlreiche Künstler anzog, von denen einige lebenslang hier blieben, andere wie Rilke, nur eine Zeit lang verweilten und den Austausch mit anderen Künstlern genossen.

    Das Haus im Schluh konnte über die Jahrzehnte in seiner ursprünglichen Substanz erhalten werden. Pension und Weberei werden im originalen Zustand mittlerweile in der 4. Generation, von der Familie betrieben, ein Großteil des Anwesens ist als Museum täglich geöffnet.

    Der Schluh, das war mal eine sumpfige Wiese, man findet heute einen Sandweg diesen Namens und am Rand von Weiden und Wiesen ein wunderbar pittoreskes Anwesen mit den langgezogenen alten reetgedeckten Niedersachsenhäusern.

    In den Museumsräumen im ersten Haus links (das ursprünglich erste Haus im Schluh) findet sich die Heinrich-Vogeler-Sammlung mit unter anderem namhaften Werke des Künstlers aus allen wichtigen Epochen seines Schaffens. Wunderschön: Das Portrait seiner Frau Martha mit zwei Früchten. Zur Zeit der Entstehung hatte sie eine Liaison mit einem jüngeren Künstler. Vogeler, der seine Frau sehr liebte, stellte diesen Konflikt dar, indem er seiner wunderbar ästhetisch gemalten Frau zwei Birnen in die Hände legte, die eine (natürlich oben gelegene) reif und golden, die untere unreif und giftig grün eine liebevolle Parodie. Martha Vogeler hatte viel Vergnügen dabei, für die Häuser eine Unmenge an altem, bäuerlichen Kunsthandwerk zusammenzutragen. Und so reihen sich hier schwere alte Bauernmöbel aus mehreren Jahrhunderten, kunstvoll mit Schnitzereien verzierte Truhen aus dunklem Holz; die jeweils eine Tonne wiegen dürften, monströse Schränke, Ofensteine, eingelegte Steinböden, ausladende Sofas und immer wieder Gemälde, Zeichnungen, Radierungen, teilweise fast unachtsam an einen Balken gequetscht, ohne den musealen Abstand, den uns große Galerien sonst auferlegen, man stolpert hier in jedem Winkel über Kunst  die Werke sind meist von Vogeler, sein beispiellos fröhlichgrüner Frühling war leider gerade ausgeliehen, dafür ein melancholisches Kinderbild von Paula Modersohn-Becker versteckt in der Ecke, ein wunderbares Riesengemälde von Ottilie Reyländer, zwei Mädchen im Moor, tiefe melancholische Augen, cremebraunes Land und fahlgelbes aber warmes Licht, ein Tänzerinnenportrait von Vogeler, das bereits die kristalloiden Elemente seines späteren Stils andeutet, die in den Kollektivgemälden ihren Gipfel fanden  ein bisschen Kubismus a la Braque und Leger, ein bisschen Expressionismus und dazu Vogelers eigenes Genie

    Vom eigentlichen Museum kann man zur Alten Weberei gegenüber gehen, in die dortige Galerie oder aber im Museumscafé noch wunderbar Kuchen essen (siehe die drei jeweiligen Beschreibungen / Liste Worpswede)

    5.0 Sterne
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    Als Martha Vogeler ihren Mann 1920 verließ, gab er ihr eine Menge mit, um seine drei Töchter gut… Weiterlesen
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