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    • Dresden, Sachsen
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    4.0 Sterne
    19.2.2009

    Bronzezeit-Wall mit Aussicht

    Sicherlich war fast Jeder schonmal , um den doofen Sonntagnachmittagsspaziergang hinter sich zu bringen, unterwegs zur Heidenschanze bei Coschütz. Eben noch mitten in der Stadt, findet man sich plötzlich im alten Dorfkern von Altcoschütz wieder und ist mit einem Schlag auf dem Lande. Nach 5 Minuten Fußweg an einer alten niedrigen Mauer entlang wendet sich der Weg nach rechts und führt geradewegs über eine freie Fläche auf einen Laubwald zu.
    Dieser erweist sich rasch als eher schmaler Waldstreifen und dahinter liegt, von Eichen und anderem Gehölz bewachsen, schon der Wall, der eine beachtlich große Wiese einrahmt. Warscheinlich ahnen die Wenigsten, daß genau hier vor dreitausendfünfhundert Jahren ein für damalige Verhältnisse riesiges industrielles Zentrum bestand, das für seine hervorragenden Bronzeerzeugnisse bekannt war. Hier wurden Sicheln, Pfeilspitzen, Stabdolche und Schmuckstücke in Serie hergestellt. Es gab einige Bronzeschmelzanlagen, von denen anscheinend aber der größte Teil dem Steinbruch zum Opfer gefallen ist, der sich in die Heidenschanze hineingefräst hat. Qualität und schickes Design dieser Gerätschaften, machten die Bronze von hier zum gefragten Handelsgut.
    Was heute als immerhin beeindruckender Wall aufragt, war damals mitnichten ein Erdhaufen, sondern hat eher die Bezeichnung Mauer verdient. Mit 5 Metern Breite und mindestens 6 Metern Höhe ein beachtliches Werk. Aus Holz und Faschinen wurde eine Art Fachwerkrahmen errichtet, der mit der reichlich vorhandenen Schlacke aus der Bronzeindustrie aufgefüllt wurde. Eine damals gängige Methode, ähnlich auch am Pfaffenstein und bei der keltischen Anlage auf dem Burzelberg bei Wurzen anzutreffen. Diese haushohen Befestigungen, vor denen für gewöhnlich noch ein oder 2 Gräben lagen, stellten zumindest sicher, daß nicht jedes Quartal irgendwelche auswärtigen Unholde durch die Siedlung randalierten.
    Rätselhaft ist immer noch, wer nun genau hier gelebt und gearbeitet hat. Bisheriger Kenntnisstand ist, daß die Anlage der Lausitzer  bzw. Billendorfer Kultur zuzurechnen ist. Also weder Germanen noch Slawen (letztere kamen sehr viel später bei uns an, deshalb ist auch die ständig wieder zitierte Geschichte, Dresden gehe auf slawische Sumpfleute zurück, Unfug), evtl. kann man sie als Nord-Illyrer zu bezeichnen.
    Die Bewohner jedenfalls lebten hier einige Jahrhunderte und gingen ihrer Arbeit nach, wohnten in kleinen Holzhäusern, in denen auch ab und zu renoviert wurde (der Kalküberzug der Innenwände wurde erneuert). Ernährt hat man sich damals von Haustieren, wie Rind und Schwein sowie Schaf und Ziege. Gelegentlich brachte die Jagd Rothirsch und Wildschwein oder auch mal Wisent, Biber oder Braunbär auf den selbsgetöpferten Teller.
    Alles lief gerade so gut, da kam 800 v.u.Z. der Klimasturz, der aus dem blühenden bronzezeitlichen Europa einen matschigen Acker im im eisigen Dauerregen machte.

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