Qype Logo Bei Yelp registrieren

Qype hat sich Yelp angeschlossen um dir noch mehr Beiträge, Community und Geschäfte zu bieten. Weitere Infos.

  • 5.0 Sterne
    8.1.2014
    Aufgelistet in Gerichte

    Das Kriminalgericht Moabit gehört mit Sicherheit zu den bekanntesten Gerichten Deutschlands.

    Und dies, obwohl es im deutschen Rechtssystem gar kein Kriminalgericht gibt. Aber hier, in diesem Gebäudekomplex, ist die Berliner Strafjustiz weitestgehend gebündelt- die Strafabteilungen des Amtsgerichts Tiergarten (das stadtweit für das Strafrecht zuständig ist), die Strafkammern des Landgerichts, die Staatsanwaltschaft und die Amtsanwaltschaft (neben Frankfurt am Main ist Berlin die einzige Stadt mit einer gesonderten Amtsanwaltschaft für die kleine Kriminalität). Was hier nicht unmittelbar im Gebäudekomplex untergebracht ist, ist jedenfalls in Außenstellen in relativer Nähe untergebracht. Die Strafsenate des Kammergerichts dürften der einzige Bereich der Berliner Strafjustiz sein, der nicht in Moabit sitzt. Unmittelbar benachbart ist die JVA Moabit.

    Das Hauptgebäude des Kriminalgerichts (allein schon wegen der zahlreichen Anbauten und ihren Größen ist es natürlich schwierig, hier wirklich von einem Hauptgebäude zu sprechen- allerdings allein schon der Funktion wegen ist es immer noch ein Hauptgebäude) ist eines der beeindruckendsten Beispieler preußischer Obrigkeitsarchitektur, das ich kenne.

    Das Gebäude sollte staatliche Gewalt ausdrücken und den einfachen Bürger, vor allem den straffällig gewordenen, schon beim Betreten beeindrucken. Dies geht schon beim Portal los, die Pfortensituation ist recht großzügig- und tritt man dann in die Haupthalle, dominiert eines der prächtigsten deutschen Gerichtstreppenhäuser. Ich finde es beeindruckender als das Treppenhaus im Münchner Justizpalast, das zwar auch sehr schön ist, aber weniger monströs daherkommt.

    Die Gänge selbst sind rech tweitläufig und mit hohen Decken versehen- klar, hier sollte der Bürger sich klein vorkommen. Die Sitzungssäle 500 und 7000 dienen schon von jeher den "großen" Berliner Strafprozessen. Es ist ein Stück weit ein Who's Who, wenn man sich anschaut, wer hier schon vor dem Strafgericht stand: Der Hauptmann von Köpenick, Arno "Dagobert" Funke, Erich Honecker, Erich Mielke, Robert Hoyzer usw. usw.

    Zahlreiche Anbauten haben im Laufe der Zeit das Gebäude erweitert. Meist eher nüchtern und funktional, aber ihren Zweck erfüllend. Zum Beispiel ein Anbau, der eigentlich nur Sitzungssäle beeinhaltet.

    An einigen Stellen im Gebäude sieht man Relikte der Hochzeit der RAF. Schusssicheres Glas sollte seinerzeit  für Sicherheit sorgen.

    Noch heute in Betrieb: Ein besonderes Gangsystem, das die Vorführung der inhaftierten Angeklagten so ermöglicht, dass diese nicht über die "normalen" Flure zum Sitzungssaal gelangen.

    Man kann sicherlich auch so mal durch das Gebäude spazieren (schließlich sind Gerichtsverhandlungen grundsätzlich öffentlich)- aber absolut zu empfehlen ist der Tag der Offenen Tür, an dem Führungen durch den Gebäudekomplex stattfinden. Dort erfährt man nicht nur allgemeines zum Ablauf eines Strafverfahrens (war für mich berufsbedingt, auch wenn ich mich eher weniger im Strafrecht tummele, jetzt nicht so spektakulär), sondern auch die eine oder andere Geschichte zum Gebäude und was dort alles so erfolgt ist im Laufe der Zeit. Gezeigt wird z.B. auch der "Verlobungsring", eine Stelle, an der, um ein Zeugnisverweigerungsrecht zu begründen, überdurchschnittlich viele Spontanverlobungen erfolgten.

  • 4.0 Sterne
    30.1.2013

    Einfach kriminell ist das!

    Es geht hier um das Kriminalgericht Moabit das für ein Gebäude im besten Alter ist, Alt sind mitunter auch die hier verurteilten Angeklagten nachdem sie ihre Haftstrafe verbüßt haben.
    Es gibt unzählige Fälle die hier verhandelt wurden, so zum Beispiel der gegen den Generalsekretär Erich Honecker oder  der des Hauptmanns von Köpenick, sicher ist letzterer um einiges sympathischer.

    Hat man das Gebäude erst einmal durch den Haupteingang betreten, so empfängt einen eine wuchtige Eingangshalle  mit elegant geschwungenen Treppen. Dieses Anblicks werden allerdings nur die "Freiwilligen" Besucher des Hauses gewahr, die Gefangenen aus der U-Haft werden weit ab vom Publikum zum Gerichtssaal gebracht. Für das monumentale Gebäude in wilhelminischer Bauart dürften die Angeklagten allerdings nur ein sehr untergeordnetes Interesse aufbringen.

    Bezeichnenderweise war das Gericht auch das erste elektrisch beleuchtete Gebäude Berlins. Aber nicht jedem ist natürlich ein Licht aufgegangen noch fand er seine Erleuchtung in diesem Haus...

    Schon der äußerliche Anblick des Bauwerks vermag einen weniger hart gesottenen kleinkriminellen Bürger durchaus einzuschüchtern und das dürfte auch zu Bauzeiten beabsichtigt gewesen sein.
    Das Kriminalgericht nimmt nämlich über 200 Meter Straßenfront entlang der Turmstrasse ein und seine beiden Türme erreichen eine Höhe von gut 60 Metern. In den 50ger Jahren schon wurde eine Erweiterung des Komplexes notwendig, in der Wilsnacker Straße wurde noch ein Gebäudekomplex hinzu gefügt.

    Gleich neben dem riesigen Komplex des Gerichts befindet sich übrigens auch die Untersuchungshaftanstalt Moabit welche über einige Innenhöfe des Komplexes zu erreichen ist. Hier finden ca.1300 Untersuchungshäftlinge eine Unterbringung bis ihnen der Prozess gemacht wird. Nicht immer ist es ein kurzer Prozess und es kommt schon mal vor das ein U-Häftling vor Prozessende eine Kur im Ausland antreten muss, zum Beispiel in Chile, auf Wunsch auch mit der ganzen Familie,  oder gar verstirbt.

    Gebäude und Umgebung sind durchaus mal einen Abstecher nach Moabit wert zumal es in unmittelbarer und weiterer  Umgebung auch noch weitere Sehenswürdigkeiten gibt.

    Zu erreichen mit der U-Bahn bis U-Bahnhof Turmstraße

    Im Gebäude ist das Fotografieren nicht erwünscht. Eintritt ist frei. Für Kinder nur sehr eingeschränkt zu empfehlen!

    Und zum Schluss noch das Beste, der unbescholtene Bürger  kann das Gebäude auch wieder auf gleichen Weg verlassen auf dem er es betreten hat!

  • 5.0 Sterne
    24.9.2012
    1 Check-In hier

    Ja, ein Berliner Gericht. Eigentlich sogar zwei, ein Amtsgericht ist auch noch enthalten. Beide für Strafsachen. Architektonisch wertvoll. Viele Richter, viele Staatsanwälte, viele Akten.
    Serviceorientiert: Teilweise mit direktem Zugang von der dahinterliegenden JVA in die Gerichtssäle.
    Für das leibliche Wohl wird im Neubau mit einer Cafeteria gesorgt.

    Und wie bei jedem Gericht ist auch hier jedermann eingeladen, sich die Sitzungen, die grundsätzlich öffentlich stattfinden, anzuschauen.

    • Qype User raven8…
    • Berlin
    • 39 Freunde
    • 228 Beiträge
    5.0 Sterne
    1.2.2009

    Ein absolut schönes und beeindrickendes Gebäude! Gleich beim Betreten fand ich den Blick nach oben zu den Treppen überwältigend. Leider sind Kameras verboten.

    Die langen Gänge, halb-stöckigen Etagen und unterschiedlichen Gebäudeteile können verwirren, strahlen jedoch auch eine gewissen Macht aus. Schutzverglasungen vor manchen Räumen spiegeln die Zeiten der RAF-Prozesse wieder. Glücklich sind die, die das Gebäude durch den EIngang betreten dürfen. Angeklagte aus der U-Haft kommen durch einen Tunnel von der JVA hinein.

  • 4.0 Sterne
    27.10.2012

    Das Amtsgericht besitzt eine durchaus gute Kantine im obersten Stock. Faire Preise und das Essen ist auch lecker. Außerdem wurde gerade frisch renoviert.

    • Qype User Malase…
    • Berlin
    • 2 Freunde
    • 20 Beiträge
    5.0 Sterne
    11.10.2008

    Ein außergewöhnliches Gebäude: Furchteinflössend, nachdenklich machend.
    Große Portale anstatt Türen, breite Freitreppen anstatt Treppenhaus und Aufzug. Gewölbedecken voller Ornamente, Säulen und Gemälde - einfach faszinierend.
    Betriott man das Gebäude wird man in die Wirklichkeit zurück geholt, denn erstmal heißt es: Pass zeigen, dann wird man abgetastet und muß Handy sowie Messer und Nagelscheren abgeben.
    Ob man auch ohne Einladung reingehen kann? Ich jedenfalls sagte ich müsse was abgeben und schon war es kein Problem.
    Hier gibt es dann die Sääle für die schweren Jungs mit etlichen Zuschauerbänken und Glasschutz für die Angeklagten. Dann die normalen Gerichtssäle und ganz kleine Zimmer in denen auch Gerichtsverhandlungen stattfinden.

    vor den Türen meist betretende Gesichter oder gierig an Zigarette ziehende Menschen.
    Ein Besuch lohnt in jedem Fall!

  • 4.0 Sterne
    31.3.2012
    1 Check-In hier

    Eine der wenigen baulichen Sehenswürdigkeiten, die das alte Moabit zu bieten hat
    An diesem Gebäude kleben keine Party-Plakate, hier wird kein Graffiti gesprühtder örtliche Bierttrinker schifft auch nicht seine Entsorgungen gegen das Gebäude, der Bordstein ist sauberwas ist hier los? Diese Gebäude passt so nicht nach Moabit, TiergartenDer Respekt ist zu groß, andere Gebäude in der Umgebung besitzen ihn nicht und werden mit Graffiti und Plakaten verschandelt Viele die dieses Gebäude betreten wissen warum. Die einen beruflich und die Anderen als Kundschaft derer die hier arbeiten im Namen des GesetzesBerlin, Du hast ein Kriminalgerichtwer die Grenzen des Gesetzes überzogen hat, immer wieder, landet irgendwann automatisch hier. Nebenan befindet sich das Untersuchungshaftgefängnis Moabit. Hier saßen früher sogar Terroristen der RAF Die Planer, Bauer und Ideengeber vor über hundert Jahren, hatten zu Beginn des 20 Jahrunderts wohl nicht damit gerechnet, dass viele Jahre später die Stadt über 3 Millionen Einwohner hatte und viele von diesen 3 Mille, hier auch in Strafangelegenheiten (wahlweise mehrfach) betreut werden müssten. Nach und nach hatte dieses Haus Anbauten bekommen, um die immer größere Flut von Arbeit durch mehr Räumlichkeiten auszugleichen. Diese Anbauten sind zwar zweckmäßiger, aber bedeutend häßlicher Alte Gerichtsgebäude (zum Beispiel AG in Prenzlau) sind meistens schöne Gebäude.
    Die Wenigsten besuchen diese Art Gebäude aber ausschließlich zur Bewunderungund das ist sehr schade.
    Dafür gibt es den Tag der offenen Türein Rundgang lohnt sich, als normaler Besucher.

  • 5.0 Sterne
    25.8.2008
    Erster Beitrag

    Architektonisch ist dies ein Monstrum und ideologisch eine Welt für sich. In die Eingangshalle würde man ohne Probleme das Amtsgericht einer normalen Stadt bauen können und bräuchte noch nicht einmal auf die imposanten Treppen auf der Rückseite des Raumes zu verzichten. Nur hell und freundlich sollte es hier nicht sein. Hier ist die Justiz nicht Diener der Rechtsuchenden, hier soll gezeigt werden, dass der Bürger sich dem Staat unterzuordnen hat, wenn es ernst wird. Denn der wirklich brave Bürger, der hat doch vor Gericht ohnehin nichts zu suchen, oder?

    Verstehen kann man dies alles nicht ohne die Entstehungszeit dieses Gebäudes zu kennen. Denn damals, Anfang des 20. Jahrhunderts, hatte Deutschland nicht nur einen Kaiser, damals zählten auch Uniformen, Titel und Orden wirklich etwas, genauso wie die Willhelmische Prunk- und Machtarchitektur. Wenn ich hier im Gericht war, dann wünschte ich mir immer ein paar neue Köpenickaden, einen neuen Hauptmann, der zeigt, wie absurd das mit den Symbolen staatlicher Macht schnell werden kann. Leider wird diese Form von Humor von den hier Arbeitenden bis heute nicht immer geteilt. Man ist eher stolz, in Deutschlands größtem Gericht zu arbeiten, so fragwürdig dies aus ästhetischer Sicht auch sein mag.

    Ich habe dieses Gebäude im Rechtsanwaltspraktikum meines Jurastudiums kennengelernt. Der wohl prominenteste Prozess, an dem ich teilnehmen konnte, war der gegen den DDR-Rechtsanwalt Wolfgang Vogel, der vor wenigen Tagen verstorben ist. Den Eindruck, den dieser Prozess hinterließ, war ein beeindruckendes Erlebnis von gegenseitigen, menschlichen Unverständnis. Weder gelang es Herrn Vogel zu verstehen, wie sich die Welt 1989 geändert hatte, noch gelang es einer ebenfalls durchaus borniert handelnden Staatsanwaltschaft, die Lebenswirklichkeit der DDR in irgendeiner Weise zu verstehen. Die Grenzen juristischer Aufarbeitung politischer Sachverhalte haben sich hier gut gezeigt. Leider hat sich auch gezeigt, was mit Menschen passiert, die sich zu lange in der Umgebung dieser Justizmaschine bewegen. Sie können schnell das Gefühl für andere Menschen und deren Standpunkte verlieren. Aber vielleicht war selbst das von den Erbauern dieses Gerichtes so gewollt.

    Gegenbeispiele gibt es hier aber auch. In den meisten Fällen wird hier gutes Recht gesprochen. Seien wir ehrlich, ohne Gerichte funktioniert eine Stadt einfach nicht. Und viele der Mitarbeiter verstehen sich hier inzwischen auch als Dienstleister, die für das Leben in Berlin unerlässlich sind. Und so mögen die Wachtmeister hier noch lange ihre Akten mit dem Handwagen durch die langen Gänge fahren.

  • 4.0 Sterne
    25.1.2009

    Ein Gebäude zu bewerten, ist schwer. Es verkauft nichts, man gibt kein Geld aus, es gibt keine Bedienung. Dennoch will es es versuchen.
    Wenn man mit dem Bus kommt, sieht man schon von Weitem das Amts- und Landgericht Moabit und denkt sich: verdammt groß. Dann geht man hinein, wird mehrfach umgeleitet, bis man vor zwei Eingängen steht: dem für Bedienstete, Zeugen und Schöffen und dem für alle anderen. Dahinter zwei gelangweilt bis grimmig schauende Justizwachtmeister. Schon von hier sieht man die große Halle, die Freitreppe und ahnt die Wucht des Gebäudes.
    Hinein also, durch Drehkreuz, Scanner und durch weitere Justizbeamte. Dann steht man im Foyer, und der Eindruck ist noch gewaltiger als man dachte. Schon keimt der Gedanke auf: wie findet man sich hier zurecht? Links und rechts Gänge, vor einem die Treppe, dahinter noch ein Gang, Flügel, die A, B, C, D, E heißen (und als Bauteile gelten), trotz weiterer Menschen da Gefühl von Leere.
    Treppe rauf, Gang rein, nächste Treppe runter, wieder rauf, noch mehr Gänge, noch mehr Türen, wieder eine Treppe. Ab und an ein Hinweis, doch eher spärlich ist die Orientierungshilfe. Wobei dies fast egal ist, denn ein (Irr-) Gang durch das Haus zeigt, wie groß, erhaben und erschlagend es ist. Selbst der Besucher des Jahres 2009 kann nachvollziehen, wie klein und fast automatisch schuldig sich ein Angeklagter fühlen muss.
    Die Gerichtsäle sind ebenso eindrucksvoll, wenn auch leicht modernisiert. Bleiglasfenster, hölzernes Richterpodest und das Gefühl von Verlorenheit sorgen für authentische Gerichtsstimmung. Dagegen ist der Saal von Frau Salesch albern und zugleich beruhigend.

    Nach ein paar Stunden in diesem Gebäude wusste ich eines: Die Justiz mag blind sein, doch ihre Präsenz ist so spürbar wie allgegenwärtig, sogar wenn man das Haus wieder verlassen hat. Nette Anekdote am Rande: geraucht werden darf in einem Innenhof - dem Galgenhof. Ein Schelm, wer das Böses denkt

Seite 1 von 1