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  • Joachimstaler Strasse 26
    10719 Berlin
    Wilmersdorf
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  • Webseite des Geschäfts firstclub-berlin.de

New First, Berlin von Qype User LUISSC…

  • 4.0 Sterne
    5.10.2008
    Erster Beitrag

    Bei Dandys aus Charlottenburg, Lebenskünstlern aus Kreuzberg und Szenemenschen aus Mitte ist dieser Klassiker des Berliner Nachtlebens einfach nur verschrien. Und auch der gute Mensch vom Prenzlauer Berg wird auf das First nur mit diskreter Verachtung herabschauen. Überhaupt erinnert der Name First schon an das Wort Farce, und man rechnet damit, eine solche zu sehen zu bekommen, wenn man hierher geht. Auch dass der Laden seit ein paar Jahren New First heißt, hat da nicht geholfen.

    Tritt man in diesen, kleinen Laden trifft der Blick erstmal auf ein paar wirklich alte Herren um die sechzig, mit eindeutig zu jungen Begleiterinnen, die dem Berufsstand der Sekretärin zuzuordnen sind. Dann sitzen diese beiden Damen an der Bar, mit hautengen, schwarzen, hyperscharfen Kleidchen, bei denen man einfach eine russische Herkunft vermuten muss. Bei diesen und weiteren Damen ist man sich nicht sicher, ob der Arbeitstag wirklich schon beendet ist. Dann gibt es noch den Singlemarkt für 30+, wobei man einigen Frauen und Männern anmerkt, dass man - was das Ausgehen, Tanzen, Flirten und Anziehen angeht - offenbar über die ca. fünfzehn Jahre einer Ehe schon völlig aus der Übung gekommen ist.

    Die Getränkepreise sind hier völlig inakzeptabel. Zwar kein Eintritt, dafür kostet dann aber die Garderobe Geld. Die Bar ist nicht wirklich gut, der Service ist unpersönlich, wenn man die Bedienung nicht schon seit Jahren persönlich kennt. Die Türsteher sehen eher abschreckend aus, treffen aber keine Auswahl, sondern lassen alles rein, was noch gerade stehen kann. Die Musik ist besteht aus Klassikern der Disko-Ära sowie etwas Madonna und Timberlake. Und ach ja, es macht hier einfach keinen Sinn, vor drei Uhr nachts aufzutauchen, denn vorher ist der Laden einfach zu leer.

    Auf der anderen Seite: Wer immer nur solide lebt, sich in den Grenzen des guten Geschmacks bewegt und ab dreißig nur noch auf seine Bildung stolz ist, der verpasst im Leben auch irgendwie was. Und wer ewig leben will, ist auch irgendwie tot. Es fällt auf, dass die Menschen hier ungewöhnlich viel Spaß haben. Hier wird viel getrunken und viel geflirtet. Angst vor dem Gespräch mit einem oder einer Fremden ist hier selten. Und das schon beschriebene, etwas zu scharfe, russische Frauenpaar tanzt einfach nur ausgelassen, ohne die vielen, schmachtenden Männer auch nur eines Blickes zu würdigen. Nicht alles ist so, wie es auf den ersten Blick erscheint.

    Und so treffen meine Begleiterin und ich dann tatsächlich noch auf zwei alte Bekannte hier, fangen an, zu der eigentlich unmöglichen Musik zu tanzen, zahlen viel zu teure Getränke und freuen uns des Lebens. Und betrachten fasziniert diesen Buddelkasten für Erwachsene, denn hier wird angegraben und gebaggert, was das Zeug hält. Und wo könnte man dies und das Leben überhaupt sonst mit so viel Spaß an der Arbeit sehen wie hier.

    • Qype User LUISSC…
    • Berlin
    • 111 Freunde
    • 186 Beiträge
    4.0 Sterne
    5.2.2010

    Jochen ist nachwievor der "Alte". Es ist doch nicht entscheidend, wo man hingeht, sondern wie und mit wem. Wenn bestimmte Events in der Stadt sind (Pressball, ADACball, die Bunte, etc.) wird der eine oder andere sicher NICHT reingelassen. Die Getränkepreise sind gehoben. Aber wer geht jede Nacht aus? LS

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