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    • Qype User testtw…
    • Reichertshausen, Bayern
    • 51 Freunde
    • 543 Beiträge
    2.0 Sterne
    6.11.2008

    annis almerbe auf ewig Auf einer Weide kurz vor Miesbach drängelten sich ein paar nackerte Schafe ganz dicht aneinander. Frisch geschoren. Bei der Auffahrt mit der Taubensteinkabinenseilbahn tanzten die ersten dicken Schneeflocken um die Gondeln. Schafskälte. Eine Stunde später fegte ein filmreifer Schneesturm um die Maxlraineralm und über tiefblaue Schusternagerl, strotzend gelbe Butterblumen und seltene Enzian. Es war fast finstere Nacht geworden am Fuß des Taubensteins auf 1520 Meter Höhe. In den beiden Hüttenstuben kam beinahe Romantik auf, wäre heute nicht ein Junisommertag gewesen. Rein kalendarisch. Leider nicht wirklich. Nach wenigen Minuten lag eine geschlossene Schneedecke über all der Blütenpracht. Nach gut zwanzig Jahren kam ich, als einziger Gast, zu Anni Tschebas Bergwirtschaft, wo ich unzählig viele schöne Stunden meines Mittelalters verlebt hatte. Sie war schon lange tot, doch die beiden Söhne ließen ihre Leidenschaft weiterleben. Alfred als Mfa, als Mann für alles und Walter als umtriebiger Wirt, dessen Tochter Gudrun vielleicht die Tradition in einer weiteren Generation fortsetzen wird, wenn ihr das Bergleben taugt. Für eine Almwirtin hätte sie beste Voraussetzungen, hübsch, dynamisch und fachlich top ausgebildet. Sie kann sich zwar an allen Ecken selber helfen, doch möchte sie erst einen Probelauf, um sich dann zu entscheiden. Ich drücke mir die Daumen! Inzwischen gleißte die warme Sonne den weißen Zauber blitzschnell in den Wolkenhimmel und jeder Blick in die Bergwelt war unbezahlbar. Wir ratschten uns die Münder heiß, über die Zeit damals, über Annis Zeit. Einmal sollten wir hinten an der Rotwand Gemsen filmen. Nicht ein Stück ließ sich blicken. Gefrustet gingen wir zu Anni: Die könnt ihr mittags bei mir auf der Terrasse aufnehmen. Am nächsten Nachmittag kriegten wir Gemskopf bildfüllend in den Kasten, während sich der Kameramann an einem Weißbierglas festhielt. Und um das Ganze noch zu toppen, verdrückten wir in der untergehenden Sonne einen butterzarten, perfekt säuerlichen Gemsbraten der Extraklasse. Mit nimmer enden wollendem Rotwein. Leider konnten wir uns nicht in die hauseigenen Federbetten kuscheln. Der Abstieg über die blumenübersäte, buckelige Skipiste war ausgesprochen lustig und langwierig. Walter sei Dank ist die Alm selbst mit Allradautos nicht anfahrbar. Was in Wanderherbsten zu traumhaften Einsamkeitserlebnissen führen kann, wenn die Seilbahn die letzten Gäste zum Spitzing hinuntergeschaukelt hat. Wohl denen, die dann auf der Hausterrasse von Gudrun ein Zettelschmankerl serviert bekommen, einen Hirschen oder vielleicht eine Gems? Sonst tut es auch eine Currywurst mit Pommes (5,50 EUR), geedelt durch Ruhe und Fernsicht, beflüssigt durch Wein und wenig Wasser. Wenn Wirt Walter, immer noch ein Pracklmannsbild, dann zu vorgerückter Abendstunde noch Hans Eichenseher's Gedicht vom Schliersee vorträgt, während Gudrun den Roten nachschenkt, kann es passieren, dass die schautrunkenen Augen plötzlich ziemlich feucht werden. Genau, das gibt es nur bei der Anni, auch wenn sie gar nicht mehr da ist

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