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  • 4.0 Sterne
    25.8.2012
    Erster Beitrag

    Das Schloss Schellenberg war mehr als 20 Jahre lang ein Aus- und Fortbildungszentrum der Polizei, bis es 2003 dem Rotstift zum Opfer fiel und der Mietvertrag seitens der Polizei aus Gründen der Kostenersparnis nicht verlängert wurde.
    Bis dahin erhielten hier Polizeibeamte nach der Einstellung in den Polizeidienst ihre zweieinhalbjährige Ausbildung (heutzutage übrigens drei Jahre Fachhochschulstudium mit Abschluss Bachelor), hier wurde allgemeine Fortbildung durchgeführt, Stressseminare abgehalten (Ist das nicht erstaunlich? Polizeibeamte sind ganz normale Menschen, die auch unter Stress leiden können), hier wurden Konferenzen abgehalten und hier war die Abteilung Auslandseinsätze der Polizei angesiedelt, die u.a. internationale Lehrgänge für das Krisenmanagement der Europäischen Union abhielt und Polizeibeamte auf ihre Einsätze z.B. in Bosnien oder Kosovo vorbereitete (jetzt in Brühl).
    Aber vielleicht ein kleiner Rundgang?
    Wenn man das Schloss durch das Haupttor betritt und sich nach links wendet, geht es etwas bergab und man kommt zu einem lang gestreckten Gebäude mit einem mittigen Quertrakt, das ursprünglich landwirtschaftlich genutzt wurde und später dann Büros und Unterrichts- und Konferenzräume beherbergte. Der beliebteste Teil des Gebäudes war sicherlich die Cafeteria mit einem kleinen Biergarten (nach Dienstschluss), der vom Ausblick und Ambiente her die meisten anderen Biergärten in Essen in den Schatten gestellt haben dürfte. Der ganze Trakt liegt tiefer als das Haupthaus, weil hier ehedem im Mittelalter ein Burggraben verlief.
    Parallel zu diesen ehemaligen Wirtschaftsgebäuden verläuft (durch den Quertrakt verbunden) das sogenannte Galeriehaus mit etwas Fachwerk und einer offenen mit einem hölzernen Gelände gesicherten Galerie. Hier waren einfache (sehr einfache!) Unterkünfte für die Beamten eingerichtet.
    Hinter dem Seitentor zur Schellenbergstraße schloss sich im spitzen Winkel das Haus der Liegenschaftsverwaltung an, gefolgt vom sogenannten Waschhaus (als solches war es früher und bis in moderne Zeiten hinein auch genutzt worden), das das Seminarbüro, also die Anmeldung enthielt.
    Es folgte das Backhaus (so auch die frühere Nutzung des Gebäudes). Hier waren die oben bereits erwähnten Auslandseinsätze der Polizei untergebracht. Und verglichen mit dem Schloss gibt es sicherlich schrecklichere Gegenden, in denen man seinen Dienst versehen muss.
    Gegenüber von Backhaus und Wirtschaftsgebäude, also rechts vom Eingang befindet sich der älteste , also der mittelalterliche Teil des Schlosses (ca. 12. Jahrhundert), nämlich das Haupthaus mit dem ehemaligen Wohnturm (in den letzten Jahren Büro- und Seminarnutzung), einer Kapelle, einer Großküche und dem Rittersaal, der als Speisesaal genutzt wurde (stimmt! sehr feudal :-) ). Mittelalterlich ist der Rittersaal übrigens nicht mehr, da er vor ein paar hundert Jahren mal von den damaligen Eigentümern barock umgestaltet wurde. Er wurde dann auch in der Neuzeit barock-gerecht restauriert. Man erzählt, dass das im Saal angebrachte Wappen von den Restauratoren mehrfarbig restauriert worden war, dass die Denkmalbehörde aber nach der Begutachtung anwies, das Wappen komplett weiß zu halten, da das der damalige Stil gewesen sei. Nun ja, weniger schön, aber halt original.
    Hinter Liegenschaftsverwaltung und Backhaus schließt sich ein englischer Landschaftsgarten an, an dessen hinterem Ende sich noch ein Pavillon befindet, der 1674 errichtet wurde, also nicht 3 mal 3 Meter mit imprägniertem Dach, sondern achteckig und mit gedecktem Kuppeldach, durchaus winterfest. Irgend jemand erwähnte, dass die Besitzerfamilie sich einmal jährlich in diesem Pavillon trifft, um einer alten Familientradition zu folgen, die irgendetwas mit einem bestimmten Wein Kredenzen zu tun hat (vielleicht weiß ja jemand mehr und kann aushelfen?).
    Ein anderes kleineres Gebäude, genannt Adam und Eva und ebenfalls aus dem 17. Jahrhundert stammend, steht als quadratischer zweigeschossiger Turm am heutigen Parkplatz. Hier wurden Besprechungen und Seminare abgehalten.
    Als letztes ist noch die ehemalige Orangerie zu erwähnen, die schon ein bedeutend neuzeitlicheres Aussehen hat, was vor allem daran liegen dürfte, dass sie erst seit dem 19. Jahrhundert dort steht (glaub' ich). Die Orangerie wurde lange als katholisches Kinderheim genutzt und dann komplett zu einem Unterrichtsgebäude mit Hörsälen und Konferenzräumen umgestaltet.
    So, das war der kurze Rundgang. Ein letztes Wort noch: Schellenberg soll sich angeblich vom Wort scheel, also schielen ableiten. Mehr historische Details und Bilder findet man auf schloss-schellenberg.de oder Wikipedia
    Besichtigt werden kann das Schloss übrigens nur von außen. Nach dem bedauernswerten Auszug der Polizei wurde das Schloss an diverse private Firmen vermietet. Es handelt sich also um Privatbesitz und ist nicht öffentlich zugänglich.

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